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„Ein Wirtschaftspsychologe ist in der Lage, auch unerwartete Probleme zu lösen“

Prof. Dr. Christian Jarchow
Prof. Dr. Christian Jarchow

Universitätskrankenhaus, Werbeagentur, Medienkonzern, Marktforschungsinstitut – Prof. Dr. Christian Jarchow verfügt über einen abwechslungsreichen Werdegang. Jetzt ist der Psychologe in die Lehre gewechselt: Seit September 2013 ist er Professor für den Master-Studiengang Wirtschaftspsychologie an der GoBS German open Business School. Was ihn zu dem Schritt bewegt hat und welche Rolle der praxisorientierte Ansatz der Berliner Hochschule dabei gespielt hat, erklärt er im Interview.

 

Was lehren Sie an der GoBS?

Ich lehre an der GoBS das Fach Wirtschaftspsychologie. Darüber hinaus habe ich eine besondere Expertise im Bereich der digitalen Kommunikation. Im Wintersemester unterrichte ich die Module Persönlichkeitspsychologie, Digitale Kommunikation und Dynamische Unternehmensorganisation. Das letztgenannte Modul weist Bezüge zur Organisationspsychologie auf und befasst sich mit Veränderungsprozessen in Unternehmen.

 

Erzählen Sie kurz von Ihrem Werdegang!

Ich habe an der Freien Universität (FU) Berlin Psychologie studiert, war dann dort als wissenschaftlicher Mitarbeiter tätig und habe zum Thema Biologische Persönlichkeitsforschung promoviert. Nach der Promotion habe ich unter anderem als Forschungspsychologe am Universitätskrankenhaus in Hamburg in der psychodynamischen und systemischen Psychotherapieforschung gearbeitet. Irgendwann hat mich ein Freund für die Arbeit in der Wirtschaft begeistert. So bin ich in eine Werbeagentur gewechselt. Das war thematisch eine große Umstellung. Es ging nicht mehr um die Auswertung und Interpretation klinischer Befunde, sondern darum, Markenversprechen zu formulieren. Ich war als strategischer Planer für die Entwicklung von Kommunikationsstrategien verantwortlich.

 

Später habe ich als Management Director bei Pixelpark den Bereich E-Marketing und Online-Marktforschung aufgebaut. Das war damals ein ganz neues Feld. Danach war ich als Management Director mehrere Jahre in der Marktforschung für Research International und Fforsa tätig, bevor ich bei der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) den Bereich Digital Research entwickelte. Die Klammer aller Verantwortungsbereiche war immer angewandte empirische Forschung und zwar qualitativ und quantitativ. So habe ich vor meinem Wechsel zur GoBS bei der GfK zuletzt den Bereich „Psychologie“ verantwortet, der qualitative Marktforschungsstudien durchführt.

 

Wie sind Sie an die GoBS gekommen?

Mit meinen Schritt zur GoBS wollte ich als Grenzgänger zwischen Wissenschaft und Wirtschaft zurück in die Lehre und dabei beide Interessenbereiche nachhaltig miteinander verknüpfen. Als Berliner fiel meine Wahl bald auf die neue Hochschule in Berlin, der Studiengang Wirtschaftspsychologie der GoBS passte perfekt. Deshalb habe ich mich in diesem Jahr für die Professur beworben und bin gern in meine Heimatstadt zurückgekehrt. Meinen Posten als Division Manager der GfK Psychologie gab ich dafür auf.

 

Was sind zurzeit Ihre Forschungsschwerpunkte?

Ich bin momentan dabei, meine Forschungsschwerpunkte konzeptionell zu entwickeln. Vor dem Hintergrund meiner beruflichen Erfahrungen kann ich aber jetzt schon sagen, dass er im Bereich der angewandten Medienpsychologie liegen wird.

 

Lehren oder arbeiten Sie neben der Tätigkeit für die GoBS an anderen Institutionen?

Ich engagiere mich neben meiner hauptberuflichen Hochschultätigkeit, auch um den Anschluss an die Praxis zu wahren, in der Filmproduktion BeBrand. Hier bin ich für die Konzeption und Entwicklung von Lehrfilmen für komplexe, erklärungsbedürftige Produkte verantwortlich.

 

Welcher Berufstätige sollte sich für für das Masterstudium in Wirtschaftspsy chologie entscheiden?

Der Studiengang befähigt Absolventen, wissenschaftlich fundierte Entscheidungen sowohl in den Bereichen Organisation, Personal, Kommunikation als auch Marketing zu treffen. Vor diesem Hintergrund spricht die Studienrichtung erfahrene und motivierte Praktiker in den genannten Bereichen an, die ihr erworbenes Wissen vertiefen und empirisch fundiertes Anwendungswissen für einen erfolgreichen Praxiseinsatz suchen.

 

Was ist das Besondere am Studiengang der GoBS?

Es ist ein anderer Zugang zum Wissen als an anderen Hochschulen. Der Weg der Wissensvermittlung führt von der Praxis zur Theorie. Die Lehre an der GoBS funktioniert entsprechend weniger deduktiv als an klassischen Universitäten. Der Weg setzt stärker bei den Erfahrungen und Kompetenzen der Studierenden an und vermittelt darüber ein Interesse an der Theorie. Die Studierenden werden mit einem Instrumentarium an Wissen und Methoden ausgestattet, die einen fundierten und flexiblen Einsatz in der Alltagspraxis ermöglichen. Bei der GoBS ist der Praxisbezug der Studierenden, den sie in der Lehre auch einfordern, deutlich spürbar. Ich halte es wie der berühmte Psychologe Kurt Lewin: „Nichts ist so praktisch wie eine gute Theorie.“ Zu dieser Erkenntnis möchte ich die Studierenden gern bringen.

 

Worauf legen Sie in der Lehre besonderen Wert?

In der Lehre möchte ich den Studierenden die Faszination des Faches „Wirtschaftspsychologie“ vermitteln. Es gibt kaum eine Disziplin, die so breit angelegt ist, wie die Psychologie und dabei gleichzeitig so rasante Fortschritte macht. Ständig gibt es etwas Neues und Faszinierendes zu lernen und zu lehren. Und da wir uns mit dem Erleben und Verhalten von Menschen beschäftigen, bedeutet dies auch, dass man durch die Wahl eines Studiums der Wirtschaftspsychologie nicht nur nützliches psychologisches Fachwissen akkumuliert, sondern auch in der reflexiven Anwendung auf sich selbst viel über die eigene Person lernen kann. Für mich ist ein Wirtschaftspsychologe ein Spezialist der Unspezialisiertheit, der aufgrund seines breiten methodischen und fachlichen Wissens in der Lage ist, unerwartete und komplexe wirtschaftspsychologische Probleme zu lösen.

 

 

 

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